Von der Einzigartigkeit zum Firmenslogan, Teil 4

Foto: racorn – shutterstock

Es ist wieder mal so weit und ich spiele Mäuschen bei Jeanette und Martin. Es ist abends, so gegen 20:00 Uhr, als Martin nach Hause kommt. Er schließt auf und ruft laut „Jeanette!“ Keine Antwort. Er ruft noch einmal. „Jeanette!“ Wieder kommt keine Antwort.

Er schnuppert. Merkwürdig, sonst riecht es doch immer nach irgendeinem leckeren Essen, wenn er nach Hause kommt. Schließlich hat er ja auch einen ziemlichen Hunger. Doch nichts. Es riecht nicht nach Essen. Die Küche ist unbenutzt und auch der Esstisch sieht leer und verwaist aus. „Jeanette!“ Diesmal klingt es schon etwas ärgerlicher. Wütend geht er an den Kühlschrank, holt sich ein Bier, schmiert sich ein Brot und setzt sich vor den Fernseher…

Ja, wo ist Jeanette? Tatsächlich ist sie nicht zu Hause, denn sie hat gerade ihre erste Stunde als Dozentin auf der Heilpraktiker-Schule hinter sich und müsste eigentlich gleich bei mir sein. Ja … und da klingelt es auch schon.

„Hallo Jeanette“, begrüße ich sie freudig. „Hallo, ich komme ja gerade von der Heilpraktikerschule. Es macht so viel Spaß, dort als Dozentin zu arbeiten, erzählt sie mir. Dann berichtet sie mir, dass sie heute mit den Schülern eine Übung gemacht hat, in der sie schreibend eine Geschichte entwickeln sollten, mit der sie ihre Ängste überwinden oder verringern können.  Für diese Übung durfte jeder eine Bildkarte ziehen, die ein kreativer Impuls für die Geschichte sein sollte. Am Schluss lasen einige ihre Geschichten vor und es war eine wunderbare Stimmung in der Klasse“, fährt sie fort.

„Gut, dann haben wir ja schon mal etwas, das in deine Einzigartigkeits-Schatzkiste gehört: Du arbeitest gerne als Dozentin, denkst dir gerne kreative Übungen aus, liebst den Umgang mit anderen Menschen und schreibst  gerne, oder?“ „Ja, stimmt. Das mache ich alles sehr gerne, da öffnet sich mein Herz und es fühlt sich ganz leicht an“, antwortete Jeanette. „Und…ja, ich  schreibe auch gerne, aber bisher kam das immer zu kurz.“ Sie wurde plötzlich ganz nachdenklich. „Ja, bevor ich eine Familie hatte, habe ich davon geträumt, Frauenromane zu schreiben. Ich hab auch schon einen angefangen Roman in der Schublade liegen. Ja, den habe ich völlig vergessen. Ich hatte einfach nie die Zeit dafür und habe dann auch gedacht, dass ich nicht gut genug bin.“

„Stopp!“ Jetzt mische ich mich ein, denn bei den Worten „Ich bin nicht gut genug“, da schrillen bei mir immer sämtliche Alarmglocken.  Ich frage sie: „Wollen wir da mal näher schauen?“ Natürlich will Jeanette das. „Zunächst frage ich sie: „Woher kannst du wissen, ob du gut genug schreibst oder ob dein Buch gut genug ist oder nicht?“ „Ja, ich weiß auch nicht. Aber ich erinnere mich dunkel daran, dass ich damals mitten in dem Buchprojekt ziemliche Zweifel bekommen hatte.“

Wir schauten dann näher, mittels kinesiologischen Tests, wann diese Zweifel mit dem Schreiben entstanden sein konnten und kamen auf ein Erlebnis mit einem Lehrer, der ihr immer schlechte Noten für ihre Aufsätze gegeben hatte. Als er dann irgendwann auch noch erfuhr, dass es u. a. ihr Traum war, später Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen, lachte er verächtlich und sagte zu ihr: „Na die würden dann ja wohl ziemlich schnell eingestampft werden, so wie sie schreiben würde.“ Dieses Ereignis hatte Jeanette längst vergessen, doch in ihrem Unterbewusstsein war es immer noch abgespeichert, wie ein Computerprogramm. Als sie es sich jetzt wieder ins Bewusstsein ruft wird ihr gleichzeitig noch etwas anderes klar: Damals hatte sie beschlossen, lieber nicht mehr zu schreiben, um die Schmach zu verhindern, dass ihre Bücher vielleicht nie gedruckt werden würden.

Anschließend machen wir eine Übung, mit der sie sowohl die negativen Emotionen, die das Erlebnis mit dem Lehrer hervorgerufen hatte, loslassen kann, als auch den Beschluss, den sie damals gefasst hatte.

„Mensch, jetzt fällt es mir wieder ein“,  ruft sie plötzlich laut: Vor ein paar Jahren hatte ich mal die Idee, ein Buch für Kinder zu schreiben, bei dem Kräuter eine Rolle spielten. Ja, ich hatte damals schon ein paar Notizen über eine Kräuterfee gemacht, mit der ein Junge und ein Mädchen verschiedene Abenteuer erleben. Es wäre zwar mehr ein Fantasy-Roman gewesen, aber dennoch hätten die Kinder auch Fakten über die Kräuter gelernt. „Was heißt ‚hätten‘?“ unterbreche ich sie. „Ja, ob ich das jemals wieder mache?“ Das kommt noch ein bisschen zögerlich. „Aber es stimmt eigentlich“, ich werde zuhause mal schauen, wo ich die Notizen habe und das Projekt „Kräuterbuch für Kinder“ wandert auch in meine Einzigartigkeits-Schatzkiste. Jeanette lächelt glücklich.

Am Ende der Stunde gebe ich ihr noch eine Hausaufgabe. Ich bitte sie, doch einmal aufzuschreiben, wie ein Traumtag bei ihr aussieht. Dann verabreden wir uns für das nächste Mal.

„Hallo Martin“, es ist bereits 22:00 Uhr, als Jeanette zu Hause ankommt. Sie hört den Fernseher oben im Wohnzimmer.  Doch Martin antwortet ihr nicht. „Martin!“ Plötzlich kommt er aus dem Bad und ruft laut: „Sag mal, kannst du mir mal verraten, wo du jetzt herkommst? Schopping? Kino mit Freundinnen? Ich arbeite den ganzen Tag und da erwarte ich, dass das Essen abends pünktlich auf dem Tisch steht. „Wenn das noch mal passiert, kannst du deine Sachen packen und ausziehen. Aber das schaffst du ja sowieso nicht!“ Während Martin seiner aufgestauten Wut Luft macht, versucht Jeanette, etwas zu sagen, doch sie kommt einfach nicht zu Wort. Und da spürt sie auch schon, wie die Tränen in ihr hochstiegen. Sie geht ins Schlafzimmer, nimmt ihre Bettwäsche und sagt mit tränenerstickter  Stimme zu Martin: „Ich schlafe heute im Gästezimmer.“ Martin will gerade zur nächsten Schimpfkanonade ansetzen, doch ihm bleiben die Worte im Hals stecken … und da ist Jeanette auch schon im Gästezimmer verschwunden und hat die Tür hinter sich zugeschlossen.

Fortsetzung folgt…

About the Author Anne

Mein Name ist Anne-Kerstin Busch. Mit meinen Büchern und Kursen will ich dich dazu inspirieren, ein erfülltes Leben zu leben. Als Schreib-Mentorin helfe ich Coaches, Texte zu schreiben, die im Herzen der Menschen ankommen. Ich gebe meine Erfahrung aus 15+ Jahren in der Zusammenarbeit mit ganzheitlichen Unternehmern und Unternehmerinnen weiter.

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