Von der Einzigartigkeit zum Firmenslogan und mehr…, Teil 8

Bild: Anne-Kerstin Busch

Die Sonnenstrahlen weckten Jeanette am nächsten Morgen. Sie hatte vergessen, die Jalousie herunterzumachen und so war es schon ziemlich früh taghell.

Dies war schon die zweite Nacht, die sie im Gästezimmer übernachtete. „So kann es doch nicht weitergehen“, dachte sie. Eigentlich wollte sie noch gar nicht aufstehen. Sie drehte sich auf die andere Seite, damit ihr die Sonne nicht so sehr ins Gesicht schien. Am liebsten legte sie sich schlafen, dann brauchte sie über ihre Probleme nicht nachzudenken. Dann konnte sie diese Welt für ein paar Stunden vergessen. Doch es wollte ihr einfach nicht gelingen, wieder einzuschlafen. Wenig später hörte sie, wie Martin oben im Bad unter der Dusche stand.

Seitdem Jeanette sich auf den Weg zu ihrer Einzigartigkeit begeben hatte, hatte sie damit begonnen, Tagebuch zu schreiben. Jetzt nahm sie ihr Tagebuch und schlug es auf.  Während sie die Ereignisse der letzten Tage notierte, wurde ihr klar, dass sie in ihrem Leben an einem Scheideweg stand. Sie war dabei, herauszufinden, was ihr Wesen ausmachte, was sie erfüllte und was sie die nächsten Jahre tun wollte, doch auf der anderen Seite kam Martin damit nicht klar. Gab es für sie etwas nur die Möglichkeit, entweder die Ehe zu retten oder sich selbst zu verwirklichen oder gab es noch etwas dazwischen?

Und dann überwältigten die schon lange aufgestauten Gefühle sie plötzlich. Die Traurigkeit, die sie die letzten Tage nach den Auseinandersetzungen mit Martin gefühlt hatte, brach aus ihr hervor und die Tränen verwischten die Schrift in ihrem Tagebuch, während sie weinte. Sie hörte, wie Martin oben in der Küche Kaffee kochte und meinte auch, den Duft von frischem Kaffee zu riechen. Schon wollte sie aufspringen, ihn begrüßen und ihm das Frühstück machen, wie sie es bisher immer gemacht hatte. Doch irgendetwas in ihrem Inneren hielt sie zurück.

Eine halbe Stunde später hatte sie das Gefühl, dass ihre Traurigkeit langsam nachließ. Sie hörte, wie die Haustür ging und Martin das Haus verließ, um sich auf den Weg zur Arbeit zu machen.

Als es still im Haus geworden war, vernahm sie plötzlich ihre Intuition. Es war so, als würde diese zu ihr sprechen, obwohl sie natürlich nicht wirklich sprach, jedenfalls nicht so, wie wir Menschen miteinander sprechen.  Aber von dem Zeitpunkt an wusste sie, dass sie auf dem richtigen Weg war und dass es wichtig war, ihn weiterzugehen, auch wenn sich ihr Leben dadurch völlig verändern würde.

Da sie an diesem Tag keine Klienten hatte, schrieb sie an ihrem Buch über Kräuter und ihre Heilwirkung weiter.  Um das Buch lebendiger zu gestalten, hatte sie die Kräuterhexe Alizar erfunden. Sie nahm die Leser mit ihren Erzählungen  mit in den Wald und auf die Wiesen, um Kräuter zu finden und zu verarbeiten.  Und sie erzählte Wundergeschichten von ihren Kräuter- und Zaubertränken, in denen sich manchmal die Fantasie mit der Wirklichkeit mischte.

Jeanette schrieb und schrieb und merkte gar nicht wie die Zeit verging. Sie ging einmal in die Küche, um sich schnell ein Brot zu schmieren. Doch dann setzte sie sich sofort wieder an ihr Buch. Mittlerweile hatte sie auch eine große Anzahl an Kräutern selbst gesammelt und getrocknet und eigene Rezepte für Kräutertees entwickelt.  Diese würden natürlich auch Bestandteil des Buches werden. Gerade an diesem besonderen Tag, wo sie ihre Entscheidung getroffen hatte, ihren Weg zu sich selbst und zu ihrer Einzigartigkeit unbeirrt weiterzugehen, half ihr der Entspannungs und Beruhigungstee, den sie beim Schreiben trank.

Es schien für sie kaum Zeit vergangen zu sein, als sie die Haustür hörte und Martin nach Hause kam. „Jeanette“, rief er. Hast du nicht gehört, dass ich versucht habe, dich anzurufen? Nein,  hatte sie nicht. Jeanette war so ins Schreiben vertieft gewesen, dass sie das Telefon gar nicht wahrgenommen hatte.  „Ich habe eine Überraschung für dich. Ich lade dich zum Essen ein.“  Am liebsten hätte Jeanette weitergeschrieben und hätte gar nicht geantwortet. Doch das wollte sie dann doch nicht. „Ja, ich komme.“

Eine Stunde später saßen sie bei Jeanettes Lieblingsitaliener.  Martin holte ein Geschenk hervor, dass er in der Jackentasche versteckt hatte. Als Jeanette es auspackte, sah sie eine Kette in Weißgold mit einem Anhänger, der einen blauen Saphir enthielt, der funkelte, wenn man die Kette ins Licht hielt. „Ist die schön“, rief Jeanette so laut, dass sich ein paar Leute an den anderen Tischen umdrehten. „Du hast nicht vergessen, dass der Saphir mein Lieblingsedelstein ist. Das ist wunderbar, so ein kostbares Geschenk.“

In diesem Moment klingelte Jeanettes Handy. „Ach, lass es doch klingeln,“ Martin freute sich so gar nicht über diese Unterbrechung. „Nein, es ist mein geschäftliches Handy. Vielleicht gibt es einen Notfall.“ Tatsächlich war eine Klientin am Apparat, deren Kind plötzlich Fieber bekommen hatte und die Jeanettte nun nach einem geeigneten homöopathischen Mittel fragte. Sofort war Jeanette wieder in ihrem Element. Sie beruhigte die Frau am anderen Ende der Leitung und  nannte ein Mittel. „In einer Stunde komme ich vorbei und bringe Ihnen das Mittel und auch noch den Tee“, sagte sie. Und da war es wieder, dieses Gefühl, einfach glücklich und mit sich selbst im Einklang zu sein. Das Gefühl erfüllt zu sein, hatte sie immer wieder, wenn sie ihrem Herzen folgte und das war auch jetzt gerade in diesem Augenblick der Fall.

Als sie aufgelegt hatte, sagte Martin zu ihr: „Ich will, dass du damit aufhörst. Ich sitze hier mit dir und du erzählst, dass du da vorbeigehen willst. Das geht nicht. Das hast du doch früher nicht gemacht. Sag der Frau ab.“ Martin redete sich richtig in Rage und wurde immer lauter, bemerkte es selbst aber nicht. „Entweder ich oder dein Job!“ „Das ist nicht mein Job, das ist mein Leben. Das bin ich selbst!“ Jetzt war es Jeanette, die laut wurde. An der Theke kicherten ein paar Männer, die dem Schauspiel belustigt zuschauten.  Jeanette sprang auf, nahm ihre Handtasche, steckte das Handy ein und sagte zu Martin: „Ich kann nicht ohne das sein, was ich tue. Das erfüllt mich. Ich will von dir wissen, ob du es mitträgst oder nicht. Denn ich werde es weitermachen, ganz gleich, was auch geschieht.“

Martin saß sprachlos da und schnappte nach Luft. Er konnte seine Wut kaum unterdrücken.  Enttäuscht nahm er die Kette. „Die werde ich zurückbringen!“ Er schrie so laut, dass der Kellner ihm schnell die Rechnung brachte. Martin schmiss das Geld auf den Tisch und rannte aus dem Restaurant. Die kostbare Flasche Rotwein stand noch fast voll auf dem Tisch und daneben lag die Schmuckschatulle mit der Kette. In seiner Wut hatte er sie liegen gelassen.

Fortsetzung folgt…

Anne-Kerstin

Mein Name ist Anne-Kerstin Busch. Mit meinen Büchern und Kursen will ich dich dazu inspirieren, ein erfülltes Leben zu leben. Als Schreib-Mentorin helfe ich Coaches, Texte zu schreiben, die im Herzen der Menschen ankommen. Ich gebe meine Erfahrung aus 15+ Jahren in der Zusammenarbeit mit ganzheitlichen Unternehmern und Unternehmerinnen weiter.
Anne-Kerstin
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