Von der Einzigartigkeit zum Firmenslogan, Teil 2

Foto: geralt – pixabay

(Die Geschichte geht weiter. Diesmal spiele ich ein bisschen Mäuschen bei Jeanette und ihrem Mann, mal schauen, wie die Idee ankommt, Geld für die Einzigartigkeitsfindung und die entsprechende Werbung auszugeben. Oh, wie ich sehe, erwische ich die beiden gerade beim Abendessen und es scheint mir nicht so ganz harmonisch zu sein, was da abläuft.)  🙁

„Du willst was?“ Jeanette hatte Martin, ihrem Mann, gerade davon erzählt, dass sie ihre Einzigartigkeit entdecken möchte und damit aktiv Werbung machen wollte. „Einzigartigkeit, also solch einen Quatsch habe ich noch nicht gehört“, Martin redete sich langsam aber sicher in Rage. „Hast du vergessen, wie teuer deine Heilpraktiker-Ausbildung war? Ganz zu schweigen von den fünf Zusatzausbildungen. Und wer hat dir das finanziert? Also wirklich, wenn ihr Frauen auf dem Selbstverwirklichungstrip seid, dann ist das ein Fass ohne Boden.

Jeanette   zuckte zusammen. Es war immer das Gleiche, gerade, wenn Sie sich dazu entschlossen hatte, endlich etwas aus ihrem Leben zu machen, funkte Martin dazwischen. Sie erinnerte sich noch daran, welches Theater er gemacht hatte, als sie eine Heilpraktikerausbildung machen wollte, nachdem ihre gemeinsame Tochter Annalena endlich ausgezogen war. Das war das erste Mal, dass Sie so richtig gespürt hatte, wie schlimm es ist, wenn man selbst kein Einkommen hat, weil bisher immer die Familie im Vordergrund stand. Sie hatte tagelang geweint, weil sie innerlich völlig zerrissen war. Einerseits hatte sie Angst um ihre Ehe, andererseits wollte sie sich einen Traum erfüllen.

Jetzt war sie wieder an einem solchen Punkt angelangt, an dem sie innerlich das Gefühl hatte, den nächsten Schritt machen zu wollen, doch wieder brauchte sie dazu die Hilfe von Martin. „Wenn er nur dieses eine Mal sie noch unterstützen würde“, dachte sie. Damals hatte sie sich die Heilpraktiker-Ausbildung als Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke zusammen gewünscht. Doch ob das diesmal wieder klappen würde, stand zurzeit noch in den Sternen. Sie versuchte es noch einmal: „Martin, bitte, nur noch das, dann kann ich durchstarten.“ „Nein, du weißt ganz genau, wir müssen dieses Jahr das Haus streichen lassen und den Segelschein wollte ich auch noch machen.“ Ich verdiene hier das Geld und jetzt bin ich mal dran!“ Martin war inzwischen lauter geworden und Jeanette schluckte. Sie sagte nichts mehr.

„Wenn ich doch die Zeit zurückdrehen könnte“, schoss es ihr durch den Kopf. Als ich damals schwanger wurde, schmiss ich mein BWL-Studium. Vielleicht hätte ich doch weitermachen sollen.

Jeanette rannte aus der Küche.  „Wenn das jetzt nicht klappt, diese beschissene Abhängigkeit, warum habe ich nicht einen Mann, der mich versteht, warum habe ich damals das Studium geschmissen. Wäre ich nur nicht so wild darauf gewesen, gleich eine Familie zu gründen…“ Ihre Gedanken fuhren Karussell. Sie konnte sie nicht mehr stoppen.

Jeanette schloss sich im Arbeitszimmer ein. Die Gedanken kreisten immer noch in ihrem Kopf. Sie hörte nicht, dass unten im Flur das Telefon klingelte und Martin laut rief: „Jeanette!“ Sie war so sehr mit dem beschäftigt, was sie nicht mehr ändern konnte.

Dann erinnerte sie sich plötzlich: Immer, wenn sie als Kind ihre Gedanken nicht beruhigen konnte, dann hatte sie eine innere Reise zum Tempel in ihrem Herzen gemacht. Dort hatte sie dann oft einen Engel getroffen oder manchmal auch einen weisen, alten Mann. Mit denen hatte sie immer alles besprochen. Danach fühlte sie sich meistens geborgen und hatte das Vertrauen, dass alles gut werden würde. Wie lange hatte sie diese inneren Ausflüge schon nicht mehr gemacht? Sie wusste es nicht.

Also setze sie sich hin und versuchte sich zu beruhigen. Doch das klappte nicht so recht, sie war einfach zu aufgewühlt. „Wie habe ich das damals immer nur gemacht?“ Während sie sich das fragte, fiel ihr ein, dass sie immer ein bestimmtes Lied gesungen hatte, das sie beruhigt hatte. Zaghaft begann sie, dieses Lied auch jetzt zu singen und tatsächlich, langsam wurde sie ruhiger.

Sie schloss die Augen und war schon bald wieder an dem Ort im Herzen, wo sie als Kind immer den Engel oder den weisen, alten Mann getroffen hatte.  Sie sah die goldene Lichtfontäne und die Wiese mit den bunten Blumen hinter der Lichtfontäne. Und richtig, da stand doch jemand. Der alte, weise Mann erwartete sie, als hätte er schon gewusst, dass sie kommen würde. Während Sie ihm von ihrem Problem erzählte, spürte sie, wie sie langsam ruhiger wurde. Das Vertrauen, dass alles gut werden würde, füllte langsam ihr Herz. Der weise Mann sagte gar nicht viel. Er tröstete Jeanette und schenkte ihr dann einen Schlüssel.  „Das ist der Schlüssel zu deinem nächsten Schritt.“ Pass auf, was in den nächsten Tagen in deinem Leben geschieht,“ sagte er und verschwand hinter der goldenen Lichtfontäne.

Jeanette öffnete die Augen. Dann fiel ihr ein, dass sie als Kind immer Tagebuch geschrieben hatte. Später, in den ersten Jahren, als Annalena noch klein war, hatte sie das auch noch gemacht, weil sie dokumentieren wollte, wie Annalena sich entwickelte. Doch dann hatte sie das vernachlässigt. Jetzt suchte sie ein Heft im Arbeitszimmer und tatsächlich, in der untersten Schublade fand sie noch das Heft, das sie zuletzt vor über zehn Jahren als Tagebuch benutzt hatte. Sie schrieb ihr inneres Erlebnis mit dem alten, weisen Mann auf und nahm das Heft, um es in ihre Nachttischschublade zu legen.

Als sie aus dem Arbeitszimmer trat, stand Martin vor der Tür. „Jeanette, was ist denn los?“ Vielleicht sollten wir noch mal reden“, sagte er. Ach übrigens, deine Freundin Marietta hat angerufen. „Oh, was wollte sie denn?“ „Ach irgendwas mit deinem Heilpraktiker. So genau hat sie mir das nicht erzählen wollen. Sie meldet sich wieder, sie ist jetzt erst mal nicht zu erreichen.

„Irgendwas mit meinem Heilpraktiker.“ Jeanette dachte nach. Was das wohl gewesen sein könnte? Nun, sie würde es erst am nächsten Tag erfahren. Aber vielleicht hatte es ja etwas mit dem zu tun, was ihr der alte, weise Mann gesagt hatte.

Fortsetzung folgt…

Anne-Kerstin

Mein Name ist Anne-Kerstin Busch. Mit meinen Büchern und Kursen will ich dich dazu inspirieren, ein erfülltes Leben zu leben. Als Schreib-Mentorin helfe ich Coaches, Texte zu schreiben, die im Herzen der Menschen ankommen. Ich gebe meine Erfahrung aus 15+ Jahren in der Zusammenarbeit mit ganzheitlichen Unternehmern und Unternehmerinnen weiter.
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