Engel am Bahnhof

Foto: crystal51 – shutterstock

Heute war ich seit langem mal wieder am Bahnhof, weil ich einen privaten Termin in Mannheim hatte. Wie so oft, fuhr ich mit dem Zug dorthin. Vor und nach der Zugfahrt erlebte ich etwas, das mich wirklich in Erstaunen versetzte. Ja, wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben. 🙂

Vor der Hinfahrt stand erst mal der Kampf mit dem Fahrkartenautomaten auf dem Plan. Ich hatte alles eingegeben, mein Ziel, wann ich hinfahren und zurĂŒckfahren wollte, jetzt war das Bezahlen dran. Also nahm ich einen 50-Euro-Schein, kleiner hatte ich es nicht, doch diesen Schein wollte er nicht. StĂ€ndig sagte er mir: „Bitte Geld entnehmen.“ Vielleicht waren ihm 50 Euro generell zu viel?  Da stand ich nun und wusste nicht weiter.

Plötzlich entdeckte ich, dass man auch mit Karte bezahlen konnte. Das probierte ich jetzt als nĂ€chstes. Also, alles wieder auf Anfang. Ziel eingeben, wann ich hinfahren will, wann ich zurĂŒckfahren will…und dann…die Karte in den Schlitz.

Die böse Überraschung war, der Automat wollte auch die Karte nicht, denn der Schlitz war blockiert.  So langsam fing ich an, ein paar unnette Bemerkungen ĂŒber den Automaten zu machen. Schließlich dauerte es nicht mehr lange und mein Zug wĂŒrde auf dem Gleis einfahren.

Wieder begann ich noch mal von Neuem, an dem gleichen Automaten, meine Daten einzugeben. Ich dachte gar nicht darĂŒber nach, dass es ja eben gerade schon nicht funktioniert hatte.

Zum GlĂŒck war am Nachbarautomaten eine nette Dame, die sehr hilfsbereit war, als sie bemerkte, dass ich Schwierigkeiten hatte. So schaute sie sich z B. fĂŒr mich um,  ob irgendwo jemand vom Personal zu sehen war, der mir helfen könnte. Es war natĂŒrlich weit und breit keiner zu sehen.

Schließlich hielt sie ihre Fahrkarte glĂŒcklich in den HĂ€nden, wĂ€hrend ich immer noch nicht so weit war und bereits alle Felle davon schwimmen sah. WĂŒrde ich es noch schaffen, rechtzeitig mit der Fahrkarte zum Zug zu kommen? FĂŒr einen Moment wusste ich nicht mehr, was ich tun sollte, um das noch zu schaffen.

In solchen Momenten bitte ich immer meinen inneren Meister, meinen spirituellen FĂŒhrer um UnterstĂŒtzung.

„Versuchen Sie es doch mal an dem anderen Automaten, da hat das mit der Karte geklappt“, sagte die hilfsbereite Dame plötzlich zu mir. Da sie ihre Karte bereits hatte, war der Automat frei geworden. Also versuchte ich es dort und das klappte dann endlich auch reibungslos, so dass ich noch pĂŒnktlich zum Zug kam.

Auf der Fahrt ĂŒberlegte ich eine Weile, was mir dieses Erlebnis wohl sagen wollte, wenn ich es wie einen Traum betrachten wĂŒrde, der mir etwas ĂŒber mein Leben erzĂ€hlt.

Dann wĂŒrde mir dieser Traum vielleicht sagen, dass ich manchmal stur bin und „zu“ bin fĂŒr andere, neue  Lösungen im Leben. Schließlich hĂ€tte ich, wenn die hilfsbereite Dame mir nicht den Vorschlag gemacht hĂ€tte, es doch mal an dem anderen Automaten zu versuchen, es wahrscheinlich noch ein bis zwei weitere Male vergeblich an dem kaputten Automaten mit der Karte versucht.

Außerdem wĂŒrde er mir sagen, dass die innere FĂŒhrung, der innere Meister, der Heilige Geist oder wie auch immer Sie das nennen wollen, einem manchmal jemanden schickt, der einem hilft, doch mal ein StĂŒckchen nach rechts oder links zu schauen, um einen neuen Blickwinkel einzunehmen und neue Lösungen auszuprobieren. Und er wĂŒrde mir sagen, dass es wichtig ist, sich auch mal auf etwas Neues einzulassen und einfach zu vertrauen.

Abends kehrte ich wieder wohlbehalten aus Mannheim zurĂŒck und hatte, bis mein Bus fuhr, noch ein bisschen Zeit, die ich im Zeitschriftenladen am Bahnhof verbrachte. Plötzlich rief jemand neben mir: „Anne!“ Als ich zur Seite schaute, sah ich eine Coaching-Kollegin, mit der ich gemeinsam eine Ausbildung gemacht hatte und die ich sehr mag. Dieses ĂŒberraschende Wiedersehen war ein Geschenk fĂŒr mich.

Als meine Kollegin mich ihrem Mann vorstellte, der auch gerade in irgendwelchen Zeitschriften blĂ€tterte, sagte Sie: „Ja, wenn Engel sich treffen…“

Morgens hatte ich einen Engel getroffen, das war die Frau am Fahrkartenautomaten. Abends hatte ich die Kollegin getroffen und wir beide hatten in diesem Moment empfunden, dass wir Engel sind. Und stimmt es nicht auch? Sind wir nicht alle ein bisschen wie Engel auf Erden? Jeder auf seine Art und Weise, jeder mit seiner einzigartigen Form, wie er die Liebe ausdrĂŒckt, die in ihm ist?

Anne-Kerstin
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