Nachruf auf eine Unbekannte

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April 28, 2013

Foto: urciser – shutterstock

Die Überschrift für diesen Beitrag hätte auch heißen können: Was aber bleibt … Doch ich habe mich dazu entschieden, den Beitrag anders zu nennen. Warum, das werden Sie gleich noch merken.

Bei uns gab es heute einen verkaufsoffenen Sonntagnachmittag, den ich natürlich nicht versäumen wollte. Als ich an der Haltestelle auf den Bus wartete, fiel mir ein Zettel ins Auge, der dort angeklebt war. Auf dem Zettel stand so ungefähr  …

Haushaltsauflösung:  Vasen, Bücher, eine alte Komode, Kleidung Größe 42 bis 46, eine Couch, ein Sessel, usw.

Sofort kam in meinem Inneren der Gedanke: Es muss eine Frau gewesen sein, vielleicht mittleres Alter oder auch schon ein bisschen älter. Doch nun war ihr Leben zu Ende und übrig geblieben waren diese Dinge. (Das mit der Frau habe ich natürlich aus den Kleidergrößen geschlossen).

Vielleicht hatte sie Kinder großgezogen, vielleicht jahrelang gearbeitet, irgendwo an der Kasse gesessen oder die Texte für ihren Chef getippt. Vielleicht war sie auch Gärtnerin gewesen oder was auch immer. Jetzt spielte es keine Rolle mehr. Bestimmt hatte sie auch mal gelacht, manchmal auch geweint. Vielleicht lebte Sie zum Schluss alleine, hatte niemanden, mit dem sie ihre Sorgen teilen konnte, ihre Freude. Und jetzt? Jetzt war alles vorbei, dieses Leben. Jetzt gab es nur noch einen Haushalt, der aufzulösen war, ein paar Hinterlassenschaften, das war alles, was blieb.

Aber ist das auch wirklich so? Oder gibt es da noch mehr? Vielleicht gibt es Menschen, die dankbar dafür sind, dass sie da war. Menschen, die sie in ihr Herz geschlossen haben. Menschen, die sie vermissen werden.

Kostbare Lebenszeit

Bis heute habe ich auch noch nicht gewusst, dass ein Zettel, auf dem etwas über eine Haushaltsauflösung steht, mich so nachdenklich stimmt und mich an die Endlichkeit des Lebens hier auf der Erde erinnert. Mir hat das wieder einmal gezeigt, wie kostbar die Zeit hier ist und wie wichtig es ist, sie so zu nutzen, dass man seinen inneren Frieden damit hat.

Nun ist das nicht immer einfach, manchmal hat man einem Job nachzugehen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, auch wenn man den inneren Drang verspürt, etwas anderes zu machen. Oder die Famillie nimmt einen so stark in Anspruch, dass man selbst zu kurz kommt.

Was es auch immer ist, wahrscheinlich hat jeder irgendetwas in seinem Leben, das Zeit braucht, die man gerne auch anders verbringen würde. Mir ist es in meinem Leben schon oft so gegangen, denn ich verbringe viel Zeit mit meinem Job. Dennoch habe ich immer wieder darauf geachtet, dass ich das, was ich liebe, in meiner Freizeit tue oder nebenberuflich machen kann, nämlich schreiben und neue Projekte entwickeln.

Hat das Leben einen tieferen Sinn?

Schon mit Mitte 20 habe ich damit begonnen, den Sinn des Lebens zu hinterfragen und natürlich wollte ich auch wissen, was nach dem Tod passiert. Manche Menschen glauben ja, dass da nichts kommt. Das sehe ich anders …

Mittlerweile, nachem ich nicht nur viele Bücher zu diesem Thema gelesen habe, sondern auch viel darüber meditiert habe, glaube ich daran, dass es sehr wohl einen Sinn gibt und dass ich nicht zufällig hier bin. In Meditationen wird mir immer mehr bewusst, dass – wahrscheinlich alle Wesen – mehr sind als nur das, was wir hier als physische Existenz wahrnehmen. Ich erfahre mich immer öfter als Seele, einen göttlichen Funken, der hier auf der Erde in einem Körper lebt, um zu lernen und den Lebensplan zu verwirklichen. Die Seele kommt in dieses Leben und wenn sie geht, dann ist nicht alles vorbei, dann ist sie nur in einer anderen, feinstofflichen Welt. Mir persönlich hilft dieser Glaube sehr.

Danke, liebe Unbekannte, wo immer du auch sein magst. Ich danke dir dafür, dass du mich zu diesem Artikel inspiriert hast und wünsche dir alles Gute für deine Reise.

About the author 

Anne-Kerstin

Mein Name ist Anne-Kerstin Busch. Mit meinen Büchern und Kursen will ich dich dazu inspirieren, ein erfülltes Leben zu leben. Als Schreib-Mentorin helfe ich Coaches, Texte zu schreiben, die im Herzen der Menschen ankommen. Ich gebe meine Erfahrung aus 15+ Jahren in der Zusammenarbeit mit ganzheitlichen Unternehmern und Unternehmerinnen weiter.

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  1. Lieber Ralf,

    herzlichen Dank für deinen Kommentar. Das mit deinen Freunden tut mir wirklich leid. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute in dieser schwierigen Zeit.

    Ja, das Leben in dieser physischen Welt ist tatsächlich endlich und je älter man wird, desto mehr wird einem das bewusst, finde ich. 🙁 Nicht ohne Grund gibt es deshalb wahrscheinlich so viele Menschen, die in der Mitte des Lebens noch mal etwas völlig Neues machen, weil sie vielleicht einen Traum leben wollen, der lange verschüttet war und plötzlich wieder da ist. Ich finde das wunderschön, weil es dem Leben wirklich noch mal einen tieferen Sinn gibt. Und du bist da ja ein gutes Beispiel dafür, denn du hast auch so ganz wunderbare Dinge entwickelt, die den Menschen helfen, mehr über sich selbst zu erfahren. Da wünsche ich dir wirklich, dass das noch ganz viele kennenlernen. 🙂

    Wenn ein Mensch es in seinem Leben schafft, sich selbst zu entdecken und zu lieben, dann hat er viel geschafft. Und wenn er das Bewusstsein dafür öffnet, dass es einen unsterblichen Teil in ihm gibt, dann ist das noch mal ein Plus-Element, das – so finde ich – tiefen Frieden bringen kann.

    Herzliche Grüße
    Anne-Kerstin

  2. Hallo Anne-Kerstin,

    danke für dein Artikel. Ja, ich denke auch in letzter Zeit verstärkt darüber nach, dass das Leben endlich ist. Im Freundeskreis haben wir zwei gute Freunde, die schwer an Krebs erkrankt sind. Sie sind nicht viel älter als ich und man hätte bei beiden nicht damit gerechnet, dass sie einmal diese schreckliche Erkrankung bekommen könnten. Da wird einem bewusst, dass es jeden treffen kann. Nutzen wir die Zeit, die uns noch bleibt – egal wie viele Jahre das noch sein werden – und füllen wir sie mit dem, was unsere Leben Sinn gibt. Viele Grüße – Ralf

  3. Danke für den Kommentar, Raimund. Das wusste ich noch gar nicht. Aber gestern stand ich an der Haltestelle und hatte die Idee, dass aus einem kleinen Zettel, den man irgendwo sieht, tatsächlich auch mal ein Roman entstehen kann oder eben auch ein Blogartikel. Spannend, dass es Victor Hugo mit diesem berühmten Roman ganz ähnlich gegangen ist. 🙂

    Liebe Grüße
    Anne-Kerstin

  4. Victor Hugo fand in Notre Dame eine kleine Einritzung in den Putz: Ananki … griechisch für Schicksal … und hat sich gefragt, wer das wohl eingeritzt haben mag und warum – was ihn dann wiederum zu seinem Roman „Der Glöckner von Notre Dame“ inspirierte … 🙂

    Du siehst, du bist in bester Gesellschaft 🙂

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